Rezension von Ulrich Bielefeld

„Heimatjahre“, so der Titel des Romans von Felix Huby, den man sonst eher als Krimi-, Fernseh- und Theaterautor kennt, das klingt wie ein später Abkömmling des deutschen Entwicklungsromans, und mit etwas Ähnlichem haben wir es hier zu tun. Es ist die kaum verklausulierte Biografie des Autors, dessen Alter Ego hier Christian Ebinger heißt, ein Lehrersohn aus dem dörflichen Schwaben, wo beinahe jeder jeden kennt und Menschlichkeit neben gefühlter Enge und auch Engstirnigkeit zu finden ist.

Der anfängliche Leseeindruck täuscht. Nicht schwäbische Dorfidylle und Behaglichkeit erwarten den Leser, wie vom Erzählton suggeriert wird, der gelegentlich auch ins Mundartliche fällt, sondern ernste Dinge werden verhandelt: Die Auseinandersetzung mit der Kriegs- und Nachkriegssituation und die anschließenden Aufbaujahre der jungen Bundesrepublik, die Verstrickung in Schuld, eine tabulose Beschreibung einer Familiensituation und des Erwachsenwerdens des jungen Protagonisten, der sich mit der Spießigkeit seiner Umwelt auseinandersetzen muss und gegen sie rebelliert und seinen Preis zahlen muss. Ohne Scheu wird über erste Liebeserfahrungen berichtet, über Irrungen, Wirrungen und Enttäuschungen, ohne dass romantisches Klischees bedient werden, bis zu einem Schluss, der hoffen lässt. Es ist aber auch die Geschichte eines jungen Menschen und seiner Berufung zum Schreiben, der mit Begabung, Zielstrebigkeit und einer gehörigen Portion Glück sich aus der Gebundenheit an die heimatliche Enge zu befreien versteht, um in die Welt zu gehen und dort Journalist und Schriftsteller zu werden.

Was den Roman auszeichnet, ist auch seine einfühlsame und sichere Personenführung. Durch die szenische Darstellung werden die Personen und Situationen dem Leser plastisch vor Augen geführt, ihre Denk- und Redensweise erscheint authentisch. Der Autor hat im lutherischen Sinne dem Volk aufs Maul geschaut und auch die typischen Alltagsfloskeln einfließen lassen, es etwas menscheln lassen, was uns die Handelnden näher bringt, besonders wenn es eben schwäbische Redensarten sind. Unverkennbar ist eine gewisse Sympathie des Autores mit seinen Personen, der es dem Leser überlässt, sich ein Urteil zu bilden.

Auch wenn hier sicher weniger formal-literarische Ambitionen gehegt werden, so gelingt es dem Autor umso besser, seine Leser in den Fluss des Erzählens hineinzuziehen und ihnen ein Vorstellungsbild über eine Zeit zu vermitteln, die so lange noch nicht her ist, in der aber trotzdem alles noch ein wenig oder auch ganz anders gewesen ist.

Hans-Ulrich Bielefeld, 11. 09. 2014

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